Dauerausstellung
Was ist die Griese Gegend? Was machte aus Hagenow eine Ackerbürger- und Handwerkerstadt? Wie lebten, wohnten und arbeiteten die Menschen? Wie sah ihr Alltag aus und mit welchen Dingen umgaben sie sich?
Das Museum für Alltagskultur der Griesen Gegend vereint vollständig eingerichtete Wohnungen und Werkstätten mit modernen Ausstellungen. Die neue Dauerausstellung umfasst folgende Themen: Regional- und Stadtgeschichte, Handwerk und Hauswerk, Wohn- & Alltagskultur, Technik & Industrialisierung. Unzählige Objekte, liebevolle Inszenierungen, umfangreiche Informationen und moderne Medienstationen vermitteln ein anschauliches Bild vom Leben und Arbeiten in der Vergangenheit.
Stadt- und Regionalgeschichte
Ein Rundgang bietet einen Überblick zu den natürlichen Gegebenheiten und der kulturellen Ausprägung der Griesen Gegend. Der erste Raum ist der Griesen Gegend, einer ehemaligen Heidelandschaft im Südwesten Mecklenburgs, gewidmet und geht der Frage nach, wie sich die natürlichen Gegebenheiten und die kulturellen Entwicklungen der Menschen gegenseitig beeinflussen.
Daran schließt sich die historische Entwicklung von der ersten Besiedlung von der Steinzeit über die Eisenzeit und die Völkerwanderung an. Anhand archäologischer Funde skizziert die Ausstellung die frühe Besiedlung der Region. Ein Höhepunkt sind die prachtvollen Exponate aus den »Hagenower Fürstengräbern«.
Im Anschluss steht die frühdeutsche Christianisierung der slawisch geprägten Gebiete und die mittelalterlichen Stadtgründungen bis in die Zeit um 1800 im Fokus. Mit der massenhaften Auswanderung im 19. Jahrhundert folgt ein weiteres Kapitel der lokalen und regionalen Geschichte.
Handwerk und Hauswerk
Handwerkliche Tätigkeiten prägten neben der Landwirtschaft das Leben in der Stadt und auf dem Lande. Einen prominenten Platz nimmt die umfangreiche Waldglas-Sammlung ein: Mehr als 130 Glasgefäße leuchten bräunlich, gelb, blau, weiß und in unzähligen Grüntönen. Über die Geschichte der Glashütten vom 16. bis ins 19. Jahrhundert, die in Mecklenburg aus Sand und Asche funkelndes Glas herstellten, gibt es hier viel zu erfahren.
Zünftig organisierte Berufe bestimmten das städtische Handwerk. Die Werkstatt eines Schumachers darf in Hagenow nicht fehlen. Auch das Töpferhandwerk blickt hier auf eine lange Tradition zurück und ist in der Ausstellung mit vielen Exponaten und Informationen rund um die Scheibentöpferei präsent.
Auf den Dörfern fertigten Bauern, Häusler und Tagelöhner mit ihren Familien viele Dinge des alltäglichen Lebens selbst an: Schnitzen, Flechten und Weben zählten zu den wichtigsten Zweigen des Hauswerks. Die Verarbeitung von einheimischen Hölzern, Kiefernwurzeln und Flachs zu nützlichen Alltagsgegenständen wird an regionalen Beispielen ebenso gezeigt wie die Veränderung und Vereinheitlichung der traditionellen Kleidung, die mit dem Aufkommen industrieller Produkte einsetzte.
Wohn- & Alltagskultur
Die Häuser und Wohnungen der Menschen veränderten sich im Laufe der letzten 200 Jahre erheblich. Die Inszenierung einer Bauernstube aus der Zeit um 1850 zeugt vom traditionellen Leben in der Griesen Gegend. Neben den originalen Möbeln dieser idealisierten Lebenssituation vermittelt die Ausstellung umfassende Hintergründe zum Wandel der Wohnkultur und zur sozialen Struktur ländlicher Dorfgemeinschaften.
Vom Einzug bürgerlicher Kultur in die ländlichen Kleinstädte zeugten um 1900 die modischen Veränderungen bei Kleidung, Möbeln oder Freizeitgestaltung. Vereine entstanden, Warenhäuser sorgten für die Verbreitung von Industriewaren und repräsentative Interieurs verbreiteten den Geist einer neuen Epoche.
Die historische Gaststube ist vielen Museumsbesuchern noch in guter Erinnerung. Nach einer aufwändigen Restaurierung ist die Einrichtung des Schankraums aus dem Hotel »Stadt Hamburg« in Wittenburg wieder zu sehen. Ergänzt wird die detailreiche Inszenierung durch Wissenswertes über die Bierbrauer, Branntweinbrenner und Gastwirte in Hagenow und des Umlandes.
Im Haus des Ratsdieners Rick auf dem Museumshof wird der Alltag einer Angestelltenfamilie in der Zeit zwischen 1920 und 1940 lebendig. Neben der »guten Stube« mit stilechten Möbeln und Textilien sind in der Küche die ersten Elektrogeräte zu entdecken, die die Hausarbeit maßgeblich erleichterten.
Technik & Industrialisierung
Die Dampfmaschine von 1902 verkörpert die epochalen Umbrüche der Industrialisierung. Der „eiserne August“ von der Firma Scheven in Teterow diente als Antrieb des Sägewerks von August Hildebrandt. Die rege Bautätigkeit und das Wachstum der Stadt zwischen 1845 und 1945 sowie die moderne Versorgung mit Gas, Elektrizität und fließend Wasser sind weitere Themen.
Der 1846 errichtete Bahnhof und die Eisenbahn als wichtigster Arbeitgeber und Garant für Handel und Mobilität nimmt eine zentrale Stellung als Motor der industriellen Entwicklung der Region ein. Die Biografien von Ingenieuren, Künstlern und Wissenschaftlern stehen stellvertretend für die Aufbruchsstimmung der Gründerzeit.
Die vollständig eingerichtete Schlosserei »Fischer & Havemann« aus den 1920er-Jahren zeigt, dass die Industrialisierung im 19. Jahrhundert auch vor der Landwirtschaft nicht Halt machte. Ein Gasmotor und die elektrisch betriebene Transmissionsanlage mit ihren Maschinen symbolisieren die die technischen Fortschritte. In der Mitte der Werkstatt steht ein Lanz Bulldog HL 12 und wartet darauf, von sachkundigen Händen repariert zu werden.
Förderung
Die Neugestaltung der Dauerausstellung in drei Bauabschnitten zwischen 2019 und 2024 wurde im Rahmen des Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommern aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes und der Stadt Hagenow gefördert.



Die Restaurierung und Präsentation der »Hagenower Fürstengräber« wurde ermöglicht durch die großzügige Unterstützung der Stiftung der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin.

Die Restaurierung der historischen Gaststube aus dem »Hotel Stadt Hamburg« wurde ermöglicht durch die großzügige Unterstützung der Lotteriegesellschaft der Ostdeutschen Sparkassen mbH, der Interessengemeinschaft Denkmalpflege Hagenow e.V. und der Stadt Hagenow.

Die Inszenierung ländlicher und bürgerlicher Bau- und Wohnkultur im Rahmen des Projekts »Tapetenwechsel« wurde unterstützt durch das »Soforthilfeprogramms Heimatmuseen« des Deutschen Verbands für Archäologie (DVA), gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).














